Warum schlecken Hunde Decken, Stoffe und Bettwäsche ab?

Viele Hundebesitzer beobachten es irgendwann:
Der Hund liegt entspannt auf dem Sofa – und beginnt plötzlich, Decken, Bezüge oder Bettwäsche großflächig abzuschlecken. Oft minutenlang, manchmal regelrecht versunken. Für Menschen wirkt das seltsam oder sogar beunruhigend. Doch dieses Verhalten hat mehrere mögliche Ursachen, von völlig harmlos bis hin zu einem Hinweis auf Stress oder körperliche Probleme.

1. Selbstberuhigung & Stressabbau (sehr häufig)​

Lecken wirkt auf Hunde beruhigend.
Dabei werden Endorphine ausgeschüttet – ähnlich wie beim Nuckeln bei Babys.

Typische Auslöser:
  • innere Unruhe
  • Langeweile oder Unterforderung
  • Veränderungen im Alltag (Besuch, Umzug, neue Routinen)
  • Überforderung nach einem ereignisreichen Tag
➡️ Großflächiges, rhythmisches Abschlecken von Decken ist ein klassisches Selbstregulationsverhalten.

Hinweis:
Wenn dein Hund dabei ruhig wirkt, halb döst oder sich danach entspannt hinlegt, spricht vieles für diese Erklärung.

2. Gerüche & Geschmack (unterschätzt!)​

Stoffe speichern extrem viele Gerüche:
  • Hautschuppen
  • Schweiß (Salze!)
  • Waschmittel
  • Essensreste in Mikromengen
Hunde haben einen hochsensiblen Geschmackssinn – besonders für Salziges.

➡️ Decken auf dem Sofa riechen intensiv nach „Rudel“, Sicherheit und Zuhause.
Für viele Hunde ist das emotional attraktiv.

3. Übersprungshandlung​

Wenn Hunde nicht wissen, wohin mit einer Emotion, greifen sie auf neutrale Handlungen zurück – Lecken ist eine davon.
Das passiert z. B. bei:
  • leichter Nervosität
  • Frustration
  • Erwartungshaltung (z. B. kurz vor dem Gassigehen)
➡️ Das Lecken hilft, innere Spannung „abzuleiten“.

4. Gewohnheit oder ritualisiertes Verhalten​

Manche Hunde entwickeln ein festes Leck-Ritual:
  • immer abends
  • immer auf derselben Decke
  • immer vor dem Einschlafen
Solange es nicht zwanghaft wirkt und gut unterbrechbar ist, ist das meist unproblematisch.

5. Magen-Darm-Beschwerden oder Übelkeit​

Lecken – auch an ungeeigneten Oberflächen – kann ein Zeichen von Übelkeit sein.

Weitere Hinweise wären:
  • vermehrtes Schmatzen
  • Grasfressen
  • Unruhe
  • häufiger Positionswechsel
➡️ Stoffe zu lecken kann dann eine Art Ablenkung vom Unwohlsein sein.

6. Zwanghaftes Verhalten (seltener, aber wichtig)​

Wenn das Abschlecken:
  • sehr häufig,
  • lange,
  • schwer unterbrechbar ist
  • oder der Hund dabei angespannt wirkt
kann es sich um ein zwanghaftes Verhalten handeln, oft stressbedingt.

➡️ Das sollte ernst genommen und beobachtet werden.

Wann solltest du genauer hinschauen oder handeln?​

🔎 Abklärung sinnvoll, wenn:
  • das Verhalten plötzlich neu ist
  • deutlich zunimmt
  • dein Hund insgesamt unruhiger wirkt
  • weitere Symptome (Appetitverlust, Erbrechen, Schmerzen) dazukommen
Dann ist ein Gespräch mit Tierarzt oder Verhaltenstherapeut sinnvoll.

Was du deinem Hund helfen kann (sanft & alltagstauglich)​

  • Mehr geistige Auslastung (Schnüffelspiele, Suchaufgaben)
  • Ruhige Rituale statt ständiger Reize
  • Alternativ etwas Erlaubtes zum Lecken anbieten (z. B. Leckmatte)
  • Stressquellen identifizieren und reduzieren
❗ Wichtig: Nicht schimpfen – das erhöht Stress und verstärkt das Verhalten oft.

Das Abschlecken von Decken, Sofabezügen oder Bettwäsche ist meist harmlos und dient:
  • der Selbstberuhigung
  • dem Stressabbau
  • dem Genuss von Gerüchen
Erst wenn es exzessiv, zwanghaft oder mit anderen Symptomen einhergeht, sollte man genauer hinschauen.
 
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